Buchempfehlungen
Der Vergleich - Die Politik der Schweiz zur Zeit des Zweiten Weltkriegs im internationalen Umfeld
Herbert R. Reginbogin. Herausgeber: Arbeitskreis Gelebte Geschichte
Stäfa: Th. Gut Verlag, 2006.
ISBN 3-85717-176-6 / 978-3-85717-176-5
Der amerikanische Historiker Herbert R. Reginbogin hat - zusammen mit Walther Hofer - bereits das Buch "Hitler, der Westen und die Schweiz" geschrieben (siehe ASMZ Nr. 4/2002!). Er vergleicht in seinem neuen Werk die Politik der Schweiz vor und während des Zweiten Weltkrieges mit derjenigen der USA, Grossbritanniens, Frankreichs, Spaniens, Portugals, Schwedens und der Türkei. Seine wissenschaftlichen Untersuchungen umfassen die Dienstleistungen und Kriegsmateriallieferungen, den Goldhandel, die Flüchtlings- und Neutralitätspolitik und die pro- oder antinationalsozialistische Einstellung von Regierungen, Bevölkerung und Presse. Der Verfasser belegt seine umfangreichen Forschungen in Archiven und Literatur mittels über 700 Anmerkungen und einem ausgiebigen Quellenverzeichnis. Er setzt ein Gegengewicht insbesondere zum Schlussbericht von 2001 der sogenannten Bergier-Kommission und brandmarkt einige "historische Kreuzfahrer" namentlich. Diese erhöben den Vorwurf zu Unrecht, "die Schweiz habe Staatsraison der Moral vorgezogen und sei deshalb einer deutschen Invasion entgangen".
"Die Schweiz war kein Land der Täter", stellt Herbert R. Reginbogin abschliessend fest. Dennoch könnten Schlüsselfragen an die Schweiz gestellt werden. Zum Beispiel, ob die Schweizer Regierung alle möglichen Mittel zur Rettung zufluchtsuchender Menschen eingesetzt habe, oder ob es richtig war, gegen Ende des Krieges immer noch mit dem kriminel-
len nationalsozialistischen Regime zu verhandeln. Tatsache sei und bleibe jedoch, dass unser Land von den Armeen Hitlers und Mussolinis vollständig umzingelt und auf Gedeih und Verderben von der Achse und den Alliierten abhängig war, um überleben zu können. Die Schweiz habe sich auf die harten Verhandlungen mit beiden Seiten, auf die anstrengende 'Anbauschlacht' zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und auf die aufwendige militärische Landesverteidigung konzentrieren müssen. "Die Alternative zur Neutralität, die nie eine Gesinnungsneutralität war, hätte nur die jeder Vernunft widersprechende Kriegserklärung an die Achsenmächte sein können."
Heinrich L. Wirz
Gebrochene Flügel – Alle Flugunfälle der Schweizer Luftwaffe. – Peter Brotschi.
Vorwort von Ruedi Jeker, Oberst a D der Fliegertruppe, Regierungsrat des Kantons Zürich.
Zürich: Orell Füssli Verlag, 2006. 368 Seiten, Abbildungen, gebunden.
ISBN 3-280-06067-2. Fr. 59.–
«Den Flugunfällen fielen zumeist junge Menschen zum Opfer. Ein kurzes Versagen in einem entscheidenden Moment oder ein technischer Fehler, und schon nahm das Schicksal seinen Lauf und sie verloren das Leben.» Der Aviatikjournalist und Flieger-offizier Peter Brotschi beschreibt und bebildert erstmals die rund 400 Flugunfälle der Schweizer Luftwaffe von 1914–2006. Er setzt damit den über 350 tödlich Verunglückten – fast alle Besatzungsmitglieder und Passagiere - ein publizistisches Denkmal.
Der Autor hat in den Archiven des Bundes und der Luftwaffe Tausende von Aktenseiten gesichtet und Überlebende befragt. Entstanden ist ein packendes Werk «wider den Schatten des Vergessens». Der Leser wird tief berührt von den einfühlsam beschriebenen tragischen Schicksalsschlägen – besonders leidvolle innerhalb der gleichen Familie. Bei Boécourt (JU) erinnert ein Gedenkstein an den Absturz von Leutnant Rudolf Rickenbacher mit einer Messerschmitt nach einem Luftkampf mit deutschen Bombern 1940. Sein Bruder, Oberleutnant Hans Rickenbacher, starb 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in den Trümmern einer Morane-Saulnier. 1943 folgte Leutnant Luzius Bärtsch seinem gleichnamigen Vater, Hauptmann und Militärpilot, der 1929 den Fliegertod erlitten hatte.
Von bekannten Namen ist zu lesen, angefangen mit dem nationalen Fliegeridol Oberleutnant Oskar Bider. Der ehemalige Cheffluglehrer der Fliegertruppe stürzte 1919 mit einem Nieuport-Jagddoppeldecker auf dem Flugplatz Dübendorf zu Tode. 1953 verunglückte einer der zwei ranghöchsten Piloten mit einer Messerschmitt-Taifun tödlich: Oberst Sigmund Eggenberger, Kommandant Fliegerregiment 3 sowie des Überwachungsgeschwaders. 2001 verbrannte der Arzt, Linien- und Milizmilitärpilot Oberst im Generalstab Beat Rüegger, Kommandant Fliegerregiment 2, nach dem Aufprall seines Pilatus- Schulflugzeuges am Boden. Korpskommandant Adolf Hanslin verlor 1971 beim Absturz eines Alouette- Hubschraubers sein Leben, wobei der Pilot sowie der Major im Generalstab Ernst Mühlemann, nachmaliger Brigadier und Nationalrat, schwer verletzt davonkamen. Bei einem Aufsehen erregenden Zusammenstoss zweier Mirage-Kampfflugzeuge über dem Flugplatz Payerne konnten sich alle drei Piloten mit dem Schleudersitz retten, darunter der damalige Generalstabshauptmann und heutige Korpskommandant und Chef der Armee, Christophe Keckeis. Das Nachwort widmet Divisionär Markus Gygax, seit 2004 Chef Einsatz Luftwaffe, seinem 1976 mit einem Hunter- Jagdbomber tödlich verunfallten Bruder Roland. Vorher flogen sie zusammen in der Patrouille Suisse. «Er war mein Bruder, mein gefallener Kamerad, und er starb als Offizier unserer Armee in Erfüllung seines Auftrags im Dienste unserer Heimat.»
Heinrich L. Wirz
Dufour – Herzog – Sprecher – Wille – Guisan: Fünf Persönlichkeiten der Schweizer Geschichte und ihre Bronzebüsten im Bundeshaus Ost.
Anne Barth-Gasser, Jürg Stüssi-Lauterburg, Roland Haudenschild, Petra Neff, Stephan Lütolf, Peter Wüthrich. Mit einem Vorwort von Bundesrat Samuel Schmid. Schriftenreihe der Eidgenössischen Militärbibliothek und des Historischen Dienstes, Nr. 22.
Bern: Eidgenössische Militärbibliothek und Historischer Dienst, 2006.
ISBN 3-906969-21-5; ISSN 1424-9367.
Erstmals werden in Wort und Bild die fünf herausragenden Militärs des helvetischen Wehrwesens kurz, knapp und einprägsam dargestellt. Sie gehören insgesamt zu den bekanntesten Führungsgestalten der modernen Schweizerischen Eidgenossenschaft. Deren grösste geschichtliche Einschnitte waren die Aktivdienste sowie Grenzbesetzungen 1856 / 1857 (Neuenburgerhandel Preussen / Schweiz), 1870 / 1871 (Deutsch-französischer Krieg), 1914 / 1918 (Erster Weltkrieg) und 1939 / 1945 (Zweiter Weltkrieg).
«Die Vereinigte Bundesversammlung wählte jeweils den Oberbefehlshaber der Armee, nacheinander den Genfer Guillaume Henri Dufour, den Aargauer Hans Herzog, den Zürcher Ulrich Wille und den Waadtländer Henri Guisan.» Der Fünfte neben den vier Generälen ist Oberstkorpskommandant Theophil Sprecher von Bernegg, Generalstabschef während des Ersten Weltkrieges. Die fünf Bronzebüsten im Eingang des Bundeshauses Ost in Bern mahnen an bedrohliche und gefahrvolle Zeiten des schweizerischen Bundesstaates. Wie entstanden die eindrücklichen Darstellungen und wie kamen diese an den heutigen Standort? Am Ursprung steht bezeichnenderweise ein Milizsoldat, Georg Bärfuss aus Thun (1889–1973), Aktivdienstveteran des Ersten Weltkrieges. Er eröffnete Ende Dezember 1927 mittels eines Leserbriefes in «Der Bund» und beigelegten fünf Franken eine Geldsammlung, um Theophil Sprecher «ein Denkmal zu setzen. Es braucht schliesslich nur eine Büste zu sein». Eine solche von Ulrich Wille stand bereits seit 1925 im EMD. So konnte Bundesrat Karl Scheurer (1872– 1929), damaliger Chef des Eidgenössischen Militärdepartementes (EMD), am 1. August 1928 die Denkmäler von Sprecher und Wille einweihen. Erst später kamen diejenigen der Generäle Guisan (1983), Dufour (1989) und Herzog (1989) dazu. Ihnen drohte – aus unbegreiflichem Unverstand – die nun abgewendete Entfernung in die Abstellkammer.
Bundesrat Samuel Schmid, heutiger Vorsteher des in VBS umbenannten EMD, gedachte am 18. Oktober 2006 anlässlich der Neuaufstellung der republikanischbescheidenen Denkmäler sowohl der fünf militärischen Persönlichkeiten und ihrer Leistungen für die Schweiz als auch des ursprünglichen Initianten.
Heinrich L. Wirz |

|